Führung · Kommunikation · KMU

Das falsche Beet

Warum dein Team hört, was du nicht meinst – und was du dagegen tun kannst.

von Andreas Pachert · Coach · Mentor · Trainer für Führungskräfte in KMUs

Das falsche Beet – rote Rosen statt Lavendel als Metapher für die Erwartungslücke in der Führung

Eine Geschichte aus dem Garten

Vor Jahren pflanzte ich einem Kunden ein wunderschönes Beet mit Rosen. Er wollte Lavendel. Er war stinksauer.

Nicht weil das Ergebnis schlecht war. Sondern weil wir nicht klar genug gefragt hatten, was „schön“ für ihn bedeutet. Wir hatten eine Vorstellung. Er eine andere. Keiner hat gefragt. Keiner hat Erwartungen abgeglichen.

Das Ergebnis: Das falsche Beet.

Ich musste schmunzeln – aber ehrlich gesagt war es auch ein Moment, der mich nachdenklich gemacht hat. Denn ich habe danach dieselbe Situation immer wieder erlebt. Nicht im Garten. Sondern in der Führung.

Was das mit Führung zu tun hat

Du sagst „eigenverantwortlich arbeiten“.
Dein Team hört „Keine Fragen“.

Du sagst „effizient“.
Dein Team hört „Hauptsache schnell“.

Du sagst „regelmäßiges Feedback“.
Dein Team denkt „Kontrolle“.

Das Wort ist dasselbe. Die Bedeutung nicht.

Das ist keine Frage von Intelligenz oder gutem Willen. Es ist eine Frage von Kontext, Erfahrung und persönlicher Geschichte. Jeder Mensch filtert das, was er hört, durch seine eigene Brille. Durch frühere Vorgesetzte. Durch schlechte Erfahrungen. Durch das, was in seiner Familie oder seinem Umfeld als normal gilt.

Du meinst das Beste. Dein Team gibt sein Bestes. Und trotzdem entsteht das falsche Beet.

Ich nenne das die Erwartungslücke.

Was ist die Erwartungslücke?

Die Erwartungslücke ist die Kluft zwischen dem, was du meinst – und dem, was beim anderen ankommt.

Sie entsteht nicht durch schlechte Absichten. Sie entsteht durch fehlenden Abgleich. Durch Annahmen, die nie ausgesprochen wurden. Durch Begriffe, die jeder anders versteht. Durch Erwartungen, die im Kopf klar sind – aber nie konkret gemacht wurden.

Die Erwartungslücke ist der häufigste Grund, warum Teams nicht funktionieren – obwohl alle ihr Bestes geben.

  • Das Team liefert – aber nicht das, was du erwartet hast.
  • Meetings enden ohne klare Ergebnisse, obwohl alle dabei waren.
  • Jemand im Team fühlt sich übergangen, obwohl du das nie beabsichtigt hast.
  • Du gibst Feedback – und es kommt als Kritik an, nicht als Chance.
  • Du delegierst – und das Ergebnis entspricht nicht deiner Vorstellung.

Wenn du dich in einem dieser Punkte wiedererkennst: Du bist nicht allein. Es liegt nicht daran, dass du schlecht führst. Es liegt daran, dass Erwartungen nie automatisch klar sind – sie müssen aktiv abgeglichen werden.

Wie du die Erwartungslücke erkennst

Die Erwartungslücke ist oft unsichtbar – bis sie zum Problem wird. Aber es gibt Signale.

Wiederholte Missverständnisse

Wenn dieselben Themen immer wieder zum Problem werden, ist das kein Zufall. Es ist ein Hinweis, dass eine grundlegende Erwartung nie klar gemacht wurde.

Gibt es Themen, über die wir immer wieder reden – ohne dass sich wirklich etwas ändert?

Stille in Meetings

Wenn dein Team schweigt oder nur das sagt, was es denkt, dass du hören willst – dann ist die Erwartungslücke bereits aktiv.

Wer redet in meinen Meetings – und wer nicht? Warum?

Unterschiedliche Definitionen von Erfolg

Wenn du nach einem Projekt das Gefühl hast, es lief gut – dein Team aber erschöpft und frustriert wirkt, habt ihr Erfolg unterschiedlich definiert.

Haben wir vor dem Projekt besprochen, woran wir erkennen, dass es gut gelaufen ist?

Rollen, die sich überschneiden

Wenn zwei Menschen dasselbe tun – oder keiner zuständig ist, weil jeder dachte, der andere macht es – fehlt Klarheit über Verantwortung.

Weiß jeder, was genau von ihm erwartet wird – und wo seine Verantwortung endet?

Wie du die Erwartungslücke schließt

Nicht mit einer großen Intervention. Nicht mit einem Teambuilding-Event. Sondern mit drei Prinzipien, die du sofort anwenden kannst.

1

Konkret statt allgemein

„Eigenverantwortlich“, „effizient“, „proaktiv“ – diese Worte bedeuten für jeden etwas anderes. Mach es konkret: Was bedeutet das für dich in diesem Kontext? Bis wann? Mit welchen Entscheidungskompetenzen?

Übung: Nimm einen Begriff, den du regelmäßig verwendest. Schreib auf, was du damit konkret meinst. Dann frag dein Team, was sie darunter verstehen. Du wirst überrascht sein.

2

Fragen statt annehmen

Die größte Falle ist die Annahme, dass das Gegenüber versteht, was gemeint ist. Das tut es selten. Frag nach – nicht als Kontrolle, sondern als echtes Interesse.

Übung: Führe diese Woche ein kurzes Gespräch mit einem Teammitglied. Nur eine Frage: „Was erwartest du von mir als Führungskraft?“ Hör zu. Ohne zu kommentieren.

3

Abgleichen statt voraussetzen

Erwartungen müssen aktiv abgeglichen werden – vor einem Projekt, nach einem Meeting, am Anfang einer Zusammenarbeit. Nicht einmal, sondern regelmäßig.

Drei Fragen am Ende jedes wichtigen Gesprächs: Was haben wir entschieden? Wer macht was bis wann? Was bleibt offen? Drei Fragen. Zwei Minuten. Ein geteiltes Bild.

Häufige Fragen

Fragen zur Erwartungslücke

Was ist die Erwartungslücke konkret?

Die Erwartungslücke entsteht wenn eine Führungskraft etwas sagt und das Team etwas anderes versteht – ohne dass es jemandem auffällt. Nicht weil jemand schlecht kommuniziert, sondern weil jeder durch seinen eigenen Rahmen filtert.

Woran merke ich, dass mein Team eine andere Erwartung hat als ich?

Häufige Zeichen: Ergebnisse die technisch korrekt sind, aber nicht das sind was du dir vorgestellt hast. Mitarbeitende die fleißig arbeiten, aber in die falsche Richtung. Frust auf beiden Seiten ohne klaren Auslöser.

Ist das ein Problem das nur neue Führungskräfte haben?

Nein – es betrifft alle. Erfahrung kann die Lücke sogar vergrößern, weil man mit der Zeit immer mehr als selbstverständlich voraussetzt.

Wenn die Prinzipien nicht reichen

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